Mein neues Teeservice

Liebe Alle,

endlich wird es herbstlich (jedenfalls vorübergehend) und damit startet die Teesaison wieder. Bislang haben wir dafür unser Zwiebelmustergeschirr genutzt. Das ist auch in Ordnung, es passt halt zum Bergischen und hat sogar zwei verschieden große Kannen. Hier habe ich es mal in meinem Skizzenbuch verewigt:

Tasse und Kanne in meinem Skizzenbuch

Das Zwiebelmustergeschirr ist ein sehr treuer Geselle und da es sehr umfangreich und fast vollständig ist, soll es uns weiter begleiten. Dennoch habe ich, seit ich die Möglichkeit habe, im Kotten zu töpfern, das Bedürfnis, mein eigenes Geschirr herzustellen. Eines, das ich mit meinen eigenen Händen geformt habe.

Die meisten denken, dass es am einfachsten ist, mit Esstellern anzufangen: Platte ausrollen, irgendwie einen Rand formen, fertig. Grundsätzlich eine gute Idee, aber sobald sich ein Teller beim Trocknen oder Brennen leicht verzieht, steht er nicht mehr gerade und fängt an zu wackeln. Was man bei kleinen Dekoschälchen gut mit ein paar Filzgleitern oder Korkklebern ausgleichen kann, ist beim Essgeschirr nicht ganz so einfach. Es hat eine viel größere Grundfläche, was die Wackelwahrscheinlichkeit deutlich erhöht.

Ausgerollter Ton mit einem Wiener Geflecht, das Struktur verleihen soll


Darum beschloss ich, nicht mit Tellern anzufangen, sondern mit etwas kleinerem: Tassen. Zunächst habe ich mich an Becher gewagt. Ganz einfach und gerade sehr im Trend: runde Trinkgefäße ohne Henkel.

Trinkgefäße aus schwarzem Ton

Schwarzer Ton und Pünktchen in der Glasur

Den schwarzen Ton mag ich sehr. Es ist eine Drehmasse ohne Schamotte und daher sehr geschmeidig und samtig. Allerdings für die Plattentechnik auch nur bedingt geeignet, denn ohne Schamotte hat er von sich aus nur wenig Standfestigkeit. Für kleine Projekte wie Tassen lässt er sich verwenden, aber eine Kanne oder Vase würde schon eine Herausforderung werden. Glasiert habe ich bei den Bechern nur den Innenbereich und einen Rand außen. Der Kontrast der gepunkteten Glasur zum matt schwarzen Ton finde ich wirklich hübsch.
Diese Becher waren übrigens eine Kundenbestellung und sind demnächst in Evias Loft erhältlich.

Für die Kanne habe ich bei Mia von Pottery to the People eine sehr schöne Schablone gefunden: den Angular Teapot.
Noch nicht gebrannt: Der Angular Teapot.

Hier habe ich einen weißen, leicht schamottierten Ton verwendet. Die damals warmen Tepmeraturen des Sommers halfen, die vorgeschnittenen Platten gut antrocknen zu lassen, bevor ich sie verband. Das verleiht dem Objekt während des Aufbaus zusätzlich Stabilität.

Aber was wäre eine Kanne ohne Tassen? Darum habe ich die Schablone der Becher aus schwarzem Ton verwendet und an die Becher Henkel gesetzt. Henkel sind eigentlich mein Endgegner - ich finde gefühlt nie die richtige Größe und manchmal sitzen sie leicht schief. Gut, dass ich hier üben konnte.

Die Becher mit Henkeln, zum Trocknen noch gestützt mit Schwämmchen.

Schon in ungebranntem Zustand habe ich mich über dieses Teeservice gefreut - allerdings verhalten, denn es kann immer noch etwas passieren. Der Ton kann beim Trocknen reißen oder beim Brennen platzen. Ich arbeite zwar sehr sorgfältig, aber ein Restrisiko bleibt immer bestehen. Glücklicherweise hat alles den Schrühbrand überstanden. Nach dem Brennen sah es dann so aus:

Kanne und Tassen sind im Schrühbrand heil geblieben.

Sogar der Deckel der Kanne passt perfekt.

Dann stand das Glasieren an und damit auch die Entscheidung, wie die Farbgestaltung am Ende aussehen sollte. Ich habe mich für einen Blauton für die Objektkörper entschieden, der durch Akzente in Rot an den Henkeln ergänzt wird.
Beim Glasieren muss man immer ein wenig um die Ecke denken, denn beim Auftrag sehen die Glasuren so ganz anders aus als nach dem Glasurbrand:

Die Glasur ist aufgetragen, aber die Objekte sind noch nicht gebrannt.

Es ist immer hilfreich, sich Glasurproben anzufertigen, die die jeweilige Glasur nach dem Brand zeigen. Einige Glasurhersteller bieten auch Plakate an, auf denen man die Glasur auf Fotos sehen kann. Aber auch hier gibt es manchmal Schwankungen, was an einer anderen Tonart oder einer anderen Brenntemperatur oder -kurve liegen kann. Mein Plan ist dieses Mal jedoch voll aufgegangen und das Teeservice ist farblich genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das fertige Teeservice, daneben noch ein Kaffeefilter.

Ich mag die Farbkombi sehr.

Es ist fröhlich, ohne zu bunt zu sein.

Die Teekanne hat eine rote Tülle.

Mit Formen und Farben bin ich wirklich zufrieden.

Mittlerweile hat das neue Teeservice auch die Dichtigkeitsprüfung bestanden. Zwar ist der Ton so gebrannt, dass er gesintert ist (er hat dann nur noch eine sehr geringe Wasseraufnahme und ist prinzipiell frostfest und spülmaschinengeeignet), aber man weiß ja nie. Dazu habe ich alles mit Wasser gefüllt und einige Stunden stehen lassen. Alles hat gehalten. Und der erste Tee ist auch schon getrunken und ich muss sagen: selbst Erkältungstee schmeckt aus dieser Kanne und einer solchen Tasse deutlich besser als vorher 😍

Alles perfekt: Form, Farbe, Henkel.

Bei mir kann die Teesaison also beginnen und ich freue mich darauf, aus meinen Gartenkräutern Tees zu mixen und aus dem neuen Teeservice zu trinken. 
Als nächstes sind dann vielleicht ein paar Schüsseln dran, denn im Herbst ist auf jeden Fall auch Porridge- und Eintopfzeit. Mal schauen, was mir da so einfällt.

Ich schicke viele Grüße, bis bald!
Maike









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