Da lag doch endlich mal wieder ein schöner Auftrag auf meinem Tisch: Ein Stempel für Saatgut-Tütchen. Darüber habe ich mich gefreut, denn es war wirklich mal wieder Zeit für einen richtig schönen, kleinteiligen Stempel. Einzige Vorgabe: Was drauf stehen MUSS. Nämlich die Art, das Jahr, Aussaatzeitpunkt und Inhalt. Diese Felder können dann von Hand selbst ausgefüllt werden. Also habe ich mit einer Skizze angefangen.
Das Maß bestimmte die Saatguttüte. Ich habe es mir angezeichnet und dann eingeteilt. Und natürlich darf ein schöner Rahmen nicht fehlen und auch ein paar Verzierungen.
Dann pause ich das Ganze ab auf Transparentpapier.
Meistens arbeite ich ja eher nach der „das spar ich mir“-Methode, aber bei so feinen Motiven, die anschließend auch auf ein bestimmtes Maß passen müssen, fixiere ich das Transparentpapier mit Washitape auf der Skizze. So liegt es sicher und nichts verrutscht. Und da ich das Transparentpapier immer bis zum letzten Quadratzentimeter nutze, seht Ihr hier auch noch ein paar abgepauste Skizzen von meinem 100-Tage-Stempel-schnitzen-Projekt, was ich immerhin einpaarsiebzig Tage durchgehalten habe.

Sowohl bei der Skizze als auch beim Abpausen, achte ich darauf, dass ich mit einem gespitzten Bleistift beginne. In diesem Falle hatte er die Stärke HB - allerdings glaube ich, dass es eher ein falsch ausgezeichneter 2B war, den er war recht weich. Mein Credo beim Schnitzen mit dem Skalpell lautet: Eine Bleistiftstärke lässt sich als Strich umschnitzen, kann also stehenbleiben. Deswegen fange ich mit einem gespitzten Bleistift an und fange die Zeichnung bei einer Nebensache an, wie z.B. dem Rand. Da kann sich der Bleistift eingrooven, meist hält es an solchen Stellen nicht ganz genau und wenn ich zu den wichtigen Dingen komme (wie hier die Schrift), hat der Bleistift die perfekte Breite erreicht.
Bevor ich mir die Kopflampe umschnalle (ja, echt!), muss das Motiv noch übertragen werden. Dafür checke ich erstmal den Stempelblock. Oft haben die nämlich Endrücke von den Folien, in denen sie verpackt und geliefert werden. Außenkanten sind oben oft nicht Plan, sondern fallen etwas ab, so dass sie nachher im Druckbild verschwinden. Hier zum Beispiel hat sich die Schweißnaht Folie eingedrückt, da nehme ich die andere Seite des Blockes.
Dann klebe ich das Transparentpapier mit der bemalten Seite auf den Stempelblock. Auch hier klebe ich es mit Washitape fest. Dsann nehme ich ein Metalllineal und ziehe es über das Transparentpapier, so dass der Bleistiftabrieb sich auf den Stempelblock überträgt.
Eine ruhige Hand und ein gut fixiertes Transparentpapier sind hier wichtig - ich habe natürlich trotzdem gewackelt (war ja klar). Glücklicherweise lässt sich auf dem Stempelgummi zumindest bedingt radieren, so dass ich an der schiefen Stelle den Abdruck noch einmal neu machen konnte. Da ich mein Motiv sehr klar im Kopf habe und schon ein bißchen Erfahrung habe, komme ich mit diesen „reparierten“ Stellen ganz gut zurecht. Im schlimmsten Falle muss man noch mal neu abpausen, aber der Aufwand wäre im Vergleich zum Schnitzen bei diesen feinen Motiven gering und daher vertretbar.
Bevor ich schnitze (und die Kopflampe aufsetze), prüfe ich das Skalpell. Ich muss ganz enge und kleine Kurven schnitzen. Dafür drehe ich die Klinge im Stempelgummi und dafür muss sie sehr, sehr spitz sein. Bislang habe ich nur eine Marke gefunden, bei der die Spitze spitz ist und beim Drehen auch nicht abbricht.
Zwei von den drei Klingen oben sind zum Stempelschnitzen für mich nicht brauchbar. Die mittlere war schon in Benutzung. Die Klinge ist etwas abgerockt und die Spitze auch nicht mehr ganz fein. Die verwahr ich zum Schneiden von Papier oder Pappe auf. Die untere Klinge wurde so geliefert. Sie ist nicht von meiner Lieblingsmarke und der Unterschied in der Feinheit ist ganz deutlich zu erkennen. Gut für Papier und Pappe, aber nicht zum Schnitzen. Die obere Klinge habe ich neu angesetzt und sie ist perfekt: superspitz und scharf. Nehm ich!
Und jetzt kommt der Moment der Kopflampe!
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| Zeigt das bloß nicht weiter! |
Wirklich, ich liebe dieses Ding. Die Kopflampe ist essentiell, denn ohne sehr gutes Licht schnitzt niemand so feine Motive. Wenn ich die nicht habe, bin ich aufgeschmissen. Außerdem ziehe ich meine Brille ab, denn ich werde älter und habe keine Lesenbrille und, naja, wie das so ist. Ich hänge außerdem in einer kreuzungesunden Haltung quasi mit der Nase direkt vor dem Stempel und kann so besser schauen. Solltet Ihr also jemals in einen meiner Stempelschnitzworkshops kommen, wisst Ihr nun, dass es keinen Grund zum Fremdschämen gibt. Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Aber weiter mit dem Stempel:
Ich fange mit dem Umranden der Schrift an. Das ist ein bißchen wie beim Ausmalen: erst der Rand, dann das Innere. Beim Schnitzen mit dem Skalpell mache ich zwei Schnitte: einen direkt an der Linie und einen „Gegenschnitt“ zum Rauslösen. Die Schnitte treffen sich V-förmig im Inneren des Stempelgummis.
So arbeite ich mich Linie für Linie, Buchstabe für Buchstabe und Wort für Wort voran.
Wenn alle Details umrundet sind, mache ich mich an die großen Flächen. Hierfür nutze ich ein anderes Schnitzwerkzeug: Linolschnitzmesser von Pfeil, hier in der Größe 9. Das sieht aus wie ein breites „U“. (Ich habe auch noch das kleine v in Größe 12, was aber leider eine Macke hat, und das kleine u in Größe 11 - beide benutze ich jedoch nur sehr selten).
Leider passieren manchmal auf den letzten Schritte Fehler. Hier bin ich abgerutscht und habe den Rand dabei durchgeschnitten. Machste nix, ab ist ab und reparieren ist bei diesem Material keine Option. Das funktioniert nur bei härterem Material wie Linol, aber auch da nur bedingt.
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| Zack- Macke! |
Glücklicherweise lässt sich die Macke an dieser Stelle aufgreifen und ins Design integrieren: Ich habe den Rahmen einfach an anderen Stellen auch noch aufgebrochen. Blöder ist es, wenn mal ein I-Punkt, die Punkte eines Umlautes oder andere, wirklich relevante Sachen zu Schaden kommen. Da hilft manchmal nur noch ein Neuanfang. Aber hier hat es funktioniert.
Das Befüllen kann also beginnen. Die fertig gefüllten Samentütchen gibt es übrigens gegen Spende beim Kastanienfest am 17.10. bei Höffkens in Solingen. Ich bin auch da!
Mir hat es Spaß gemacht, mal wieder einen solchen Stempel zu schnitzen. Und ich habe Lust, noch mehr zu machen. Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Adventskalender mit meinen Stempeln gestaltet. Ob ich das wohl nochmal in Angriff nehme? Ich muss mal in meinen Papiervorräten stöbern…
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